Ernst Ulrich, der Chutzen und JFK

Vor 50 Jahren starb John F. Kennedy. Auf dem Chutzen auf dem Belpberg erinnert ein Denkmal an den ermordeten US-Präsidenten. Anwohner Ernst Ulrich kennt die Geschichte.

Alles in allem ergeht es John F.Kennedy auf dem Belpberger Chutzen etwa so, wie es dem Chutzen in den USA ergeht: Er ist kein grosses Thema. Allerdings gibt es in den USA keinen Gedenkstein für den Chutzen, das ist der Unterschied. Und so kommt es, dass Ernst Ulrich hin und wieder auf John F. Kennedy angesprochen wird. Der Chutzen ist vor allem wegen seines Restaurants bekannt und wegen der schönen Aussicht ins Aaretal und auf die Berge. Ulrich, der die 60 hinter sich hat, ist der Besitzer des Restaurants. Bis vor wenigen Jahren wirtete er noch selber. Ulrich hat quasi sein ganzes Leben auf dem Chutzen verbracht.

Initiant Max Mössinger (hinten in der Mitte) und die Anwesenden bei der Einweihung des JFK-Steins 1964. Vorne steht der damals 12-jährige Ernst Ulrich (Bild: zvg)

Initiant Max Mössinger (hinten in der Mitte) und die Anwesenden bei der Einweihung des JFK-Steins 1964. Vorne steht der damals 12-jährige Ernst Ulrich (Bild: zvg)

Der Gedenkstein
Ein schöner Morgen auf dem Belpberg. Ulrich sitzt in der Gaststube und trinkt Kaffee. Er öffnet ein Fotoalbum und zieht ein Schwarzweissfoto hervor. Es ist 49 Jahre alt, sieben Personen sind darauf zu sehen. Und ein Gedenkstein mit schwarzer Inschrift. «Jetzt kann man sie nicht mehr so gut lesen», sagt Ulrich, steht auf und macht sich auf den Weg. Es ist ein kurzer Weg, vielleicht hundert Meter.

In die nackte Wiese wurde der Stein vor 49 Jahren gesetzt. Jetzt wird er von Blättern und Nadeln verdeckt, er steht im Schatten einer Tanne. Dem Granit hat die Zeit nichts anhaben können, so kann man mühelos lesen: «In ehrendem Andenken dem unvergesslichen Präsidenten der USA., John F. Kennedy, gewidmet 23.Oktober 1964, Vereinigung Pro Libertate.» Am 22.November ist es 50 Jahre her, dass Kennedy in Dallas ermordet wurde.

Die Vereinigung
Die Vereinigung Pro Libertate wurde nach dem Ungarnaufstand 1956 und dessen Niederschlagung durch die sowjetischen Panzer gegründet. Initiant war Max Mössinger, ein Immobilienfachmann aus Gelterfingen am Fuss des Belpbergs. Die antikommunistische Vereinigung zelebrierte jeweils am 23.Oktober den Jahrestag des Aufstands mit einer Feier. 1964 fand sie auf dem Chutzen statt. Pro Libertate setzt sich noch heute für «Freiheit, Demokratie und Menschenwürde» ein. Das Motto: «Die Faust im Sack nützt nichts.» Der Präsident: Thomas Fuchs, SVP-Grossrat aus Bern. Fuchs sagt: «Wir werden immer wieder gefragt, was es mit diesem Stein auf sich hat.» Die Antwort: «Freiheit.» John F. Kennedy habe sich für die Freiheit eingesetzt, die von vielen Seiten bedroht worden sei. Damals, im Kalten Krieg, sei es eine andere Bedrohung gewesen, sagt Fuchs. «Aber die Bedrohung gibt es noch heute.»

Herbstlicher Frieden dagegen auf dem Chutzen. Nur leichter Dunst, der den Alpen-Blick trübt. Und JFK? «Irgendwo habe ich noch ein Buch über ihn», sagt Ernst Ulrich in freundlichen und knappen Worten. «Aber ich müsste danach suchen.» Lange her, dass er reingeschaut hat. Er ist jetzt oft als Fahrer für das Rote Kreuz unterwegs.

Die Feier
Zurück in der Gaststube des Restaurants, lässt Ernst Ulrich aber durchblicken, dass die Umstände der Ermordung JFKs doch eine gewisse Faszination auf ihn ausüben. All diese Verschwörungen. War Lee Harvey Oswald, der als Mörder gilt, nicht allein? Der 23.Oktober 1964 war ein Freitag. Aus den Unterlagen von Pro Libertate ersichtlich ist, dass der Berner Ständerat Dewet Buri von der SVP-Vorläuferin BGB auf dem Chutzen eine Ansprache hielt. Dass US-Botschafter Henry Cox dabei war, dass eine Flagge der USA und eine der Schweiz gehisst wurden, dass Uniformierte einen Kranz niederlegten.

Auf Ulrichs Foto ist ersichtlich, dass sich der 12-jährige Ernst mit seiner Familie neben den Belpberger Gemeindepräsidenten und neben Initiant Mössinger stellte und in die Kamera lächelte. «Es war eher eine schlichte Feier», erinnert er sich. Das Denkmal sei übrigens auch die Belpberger Antwort auf das Rudolf-von-Tavel-Denkmal auf dem Längenberg.

Die Tafel
Noch wird Ernst Ulrich dann und wann auf John F. Kennedy angesprochen. «Aber nicht mehr oft», sagt er. Bald dürfte es noch weniger werden. Denn: «Wir werden neben dem Denkmal eine Tafel aufstellen», sagt Thomas Fuchs. Darauf soll erklärt werden, was es mit diesem Denkmal auf sich hat, mit John F. Kennedy und dem Chutzen. Nächstes Jahr solls so weit sein.

Quelle: Johannes Reichen, Berner Zeitung

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